Wühlmausbekämpfung ohne Gifte (11/04)

Nachdem die sehr giftigen, endrinhaltigen Präparate zur Wühlmausbekämpfung längst verboten sind, hat die intensive Suche nach anderen Giften, oder der Einsatz von Geräten und Motoren mit giftigen Abgasen zur Wühlmausbekämpfung nicht nachgelassen.

Der Druck der Verbraucherkreise, des Marktes und der Konkurrenz nach giftfreier Nahrungsmittelproduktion führte sehr mühsam zum sogenannten integrierten Obstanbau. Auch in der Wühlmausbekämpfung sollten wir endlich den giftfreien Weg, das Fangen mittels Fallen wählen. Es ist die billigste, umweltfreundlichste und am wenigsten zeitaufwendige Methode zur Bekämpfung. Der Erfolg, die tote Maus, ist sichtbar, was bei den übrigen Methoden nicht der Fall ist. Großflächiges Giftauslegen mit Schleppern, teuren Maschinen und Giftködern ist zwar sehr zeitgemäß und bequem (keine Handarbeit), sollte aber aus Boden- und Umweltschutzgründen heute nicht mehr so groß propagiert werden. Gerade der Landwirt und Obstbauer, dessen Hauptproduktionsfaktor der Boden und das Bodenleben ist, sollte davon Abstand nehmen, denn es werden dabei außer Wühlmäusen noch viele andere Bodenlebewesen getötet, zudem kann eine gewisse Gefahr für das Grundwasser nicht ausgeschlossen werden. Auch können, nach Abbau der zur Bekämpfung eingesetzten Gifte oder Gase, nach ca. 3 - 4 Wochen, schon wieder Jungmäuse zuwandern. Der Erfolg kann also unter Umständen sehr kurzzeitig sein.
Das Fangen der Wühlmaus mit Fallen erfordert keine besondere Befähigung. Ein paar Tricks und Übung, und man wird zum erfolgreichen, begeisterten und jagdeifrigen Bodenwildjäger. Wie bei Jagd und Sportfischerei, muß man die Lebensweise des zu fangenden Tieres genau kennen, um es mit Überlistung fangen zu können. An der Versuchstation für Obstbau in Bavendorf wurde 1960 und 1961 nach der damals üblichen Methode mit Endrineinsatz Ende November die Wühlmausbekämpfung durchgeführt. Nachdem der Wachhund des Betriebes (Schäferhund) durch Fressen toter Mäuse erblindete, seine Jungen, sowie sämtliche Katzen und Feldhasen eingegangen waren, stellten wir auf reinen Fallenfang um. Seit 1962 halten wir die 29 ha Obstbau- Versuchsanlagen mit Fallenfang von Wühlmäusen sauber. Azubis und Praktikanten, die an der Versuchsstation ihre Ausbildung machen, werden auch im Wühlmausfang mit Fallen unterwiesen.
Die 1961/62 angelegten Versuchen an der Versuchsstation zeigten damals, daß die Wühlmausbekämpfung mit endrinhaltigen Präparaten, Polythanol oder Gaspatronen nur Erfolgsquoten von 60-80 % brachten. Seitdem wurden keine Versuche zur Wühlmausbekämpfung mehr durchgeführt, da es für uns zur Zeit, zum Fallenfang noch keine bessere Alternative gibt.
Es wäre an der Zeit, daß das Wühlmäusefangen mit Fallen in die Ausbildung der Gärtner und Jungobstbauern in den Ausbildungsbetrieben und Fachschulen mit eingebaut würde. Ebenso müßte die Wühlmausbekämpfung auf den Obstbaubetrieben in die routinemäßigen Pflegearbeiten, wie Krebsausschneiden, Schnitt usw. das ganze Jahr hindurch einbezogen werden. Neben Baumschere und Säge, sollte der Fallenring mit Suchstab und Messer zum wichtigsten Werkzeug des Obstbauern gehören. Der Fallenfang könnte auch eine interessante Beschäftigung für den noch rüstigen Altbauern oder einen Rentner sein.

Der Zeitaufwand der verschiedenen Methoden, Fraßgifte, Atemgifte (Polythanol und COBegasung), Ultraschall usw. ist mindestens gleich groß, oder noch größer als beim Fallenfang. Wenn man die Zeit der unbedingt erforderlichen Nachkontrolle durch die Verwühlprobe miteinberechnet.
Der Kostenaufwand beim Fallenfang ist verschwindend gering, je nach Fallentyp 3,0 - 6.0 DM je Falle..


Sehr wichtig und hilfreich sind vorbeugende Maßnahmen

Schutz und Förderung der natürlichen Feinde der Wühl-und Feldmäuse. Das sind Katzen, Füchse, Wiesel, Marder, Iltis, Dachs, Greifvögel, Eulen, Krähen und sogar Graureiher. Die Katze ist im Obstbaubetrieb ein sehr nützliches Haustier.
Das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel und Eulen. Schaffen von Einflugöffnungen in Scheunengiebeln für Schleiereulen. Aufstellen von Brutkästen für Turmfalken. Aufschichten von Steinhaufen mit großen Steinen in ungenützten Ecken der Obstanlage als Unterschlupf für Wiesel. Fuchslöcher im Zaun im Sommer offen lassen und nur im Winter schließen.
Wühlmäuse lieben die Wurzeln von Kräutern, deshalb in die Fahrgasseneinsaat keine Kräuter oder Kleesamen einmischen ,( Kräuter blühen - Insegar - Gefahr für die Bienen) regelmäßiges Mulchen vertragen die meisten Kräuter nicht. Im hohen Gras verstecken sich die Jungmäuse und beginnen ihren Bau zu graben. Mulchgeräte die Grashaufen liegenlassen, fördern die Ansiedlung von Mäusen. Hohes Gras und Grashorste in der Obstplantage abmähen. Das Gras am Zaun nicht abspritzen, dort sammeln sich die vom Nachbarfeld eindringenden Jungmäuse und können weggefangen werden, bzw. werden dort ( von den Zaunpfählen aus) von Greifvögeln, Eulen, Füchsen usw. bei Tage und bei Nacht erfolgreich bejagt. Das Umfeld (Wiesen, Weiden usw.) außerhalb des Zaunes sollte einmal im Jahr, am besten nach der Obsternte, im Einverständnis mit dem Nachbarn wühlmausfrei gemacht werden.

Die Lebensweise der Wühlmaus

Die Wühlmaus (Arvicola terrestris ) ist ein Nagetier. Sie lebt die meiste Zeit als Einsiedler in Gängen im Boden, und ernährt sich überwiegend von Pflanzenwurzeln. In den Abend- und Nachtstunden verläßt die Maus für kurze Zeit ihren Bau, um sich mit Gras, Kräutern und Früchten zu sättigen. Jungtiere verlassen im Schutz von hohem Gras oder Gestrüpp auch tagsüber längerzeitig den Bau. Die Wühlmaus fühlt sich in der Nähe von Wassergräben und Böschungen sehr wohl, wo sie hohes Gras, Gestrüpp oder sonstiges Deckmaterial vor ihren Feinden schützt, und wo sie oft von Gärtnern und Obstbauern auch unentdeckt bleibt.
Im März beginnt die Vermehrungszeit und zieht sich bis in den September hinein. Die Begattung findet außerhalb des Baues statt. Nach 21 Tagen Trächtigkeit wirft das Weibchen 2 - 6 Junge.
Bei 3 - 4 Würfen pro Sommer, können das bis zu 20 Jungmäuse je Jahr sein. Die Tiere des 1. Wurfes im Frühjahr, können sich im Herbst bereits schon weiter fortpflanzen. Die Jungmäuse verlassen nach ca. 2 Wochen den Altbau, werden selbständig und beginnen mit dem Bau eigener Gangsysteme. Dazu suchen sie hohes Gras (Gailstellen auf Viehweiden z.B.) oder Gestrüpp auf, um geschützt vor ihren Feinden graben zu können. Nasse Sommer begünstigen das schnelle Eingraben der Jungmäuse, während in trockenen Sommern viele Jungmäuse von ihren Feinden vertilgt werden. Die Gangsysteme sind von verschieden großer Ausdehnung. Da ein Teil der Nahrung der Wühlmaus aus dem ständig in das Röhrensystem nachwachsenden Wurzeln besteht, spielt die Wuchskraft der Pflanzen im Jahresverlauf eine große Rolle. Im Frühjahr sind die Baue kleiner. Mit nachlasssender Wuchskraft, dem Herbst zu, werden die Baue umfangreicher. Vor allem im Spätherbst, wenn die Wühlmäuse ihre Vorratskammern anlegen und mit Klee- und Kräuterwurzeln befüllen. In dieser Zeit schieben sie sehr große und typisch flache Haufen. Die Gänge verlaufen meist sehr flach unter der Grasnarbe, außer im Zentrum des Baues, wo der Nestkessel (oft auch mehrere) die Vorratskammern und der bis zu 1 m tiefe Fluchtgang sich befinden. Die Vorratskammern dienen als Reserve bei mangelndem Nahrungsangebot im Winter und sind gefüllt mit Wurzeln von Löwenzahn, Bärenklau, Wiesenkerbel und sonstigen Kräutern und Pflanzen. Durch Benagen oder totales Abnagen der Baumwurzeln, kann die Wühlmaus in Obstanlagen oder gärtnerischen Kulturen erheblichen Schaden anrichten und wird deshalb bekämpft.

Das Fangen der Wühlmäuse mit Fallen

Notwendige Ausrüstung:

Ein Suchstab zum Aufspüren der Gänge. Ein ca. 50 cm langer, ca. 9-10 mm starker, auf einer Seite zu einem Griff gebogener, Rundeisenstab (ein abgebrochener Heuma-oder Schnellheuerzinken, mit einem Holzgriff versehen, eignet sich sehr gut dazu).

Ein Messer zum Aufschneiden der Gänge. Dazu eignet sich ein altes, großes und stabiles Küchenmesser, am Griff mit einer Drahtschlaufe versehen, zum Einhängen in den Fallenring.

Ein Fallenring aus 3.5 - 4 mm starkem Draht gebogen.

10 - 15 Wühlmausfallen, Bayrische Drahtfallen oder Wolfsche Wühlmausfallen.
Zur Markierung und Wiederfindung der Fangstellen können Ruten von Obstbäumen, Weiden, Haselnuss oder sonstiges geeignetes Material verwendet werden.

Das Suchen des Ganges:

Nach Entdecken des Wühlmausbaues, zuerst Orientierung über die ungefähren Ausmaße des Baues, Zentrum und Randbereiche. Nicht über dem Gangsystem herumlaufen, um keine Gänge abzudrücken. Gänge mit Öffnungen sind meist leer oder von Feldmäusen bewohnt. Nie im Zentrum des Baues (wo die großen Haufen sind) die Gänge öffnen zum Stellen der Fallen. Die Maus ist dort sehr vorsichtig und verstopft die Fallen meist bald mit Boden. Auch stößt man dort auf mehrere Gänge und braucht folglich mehrere Fallen. Mit dem Suchstab in der Randzone des Gangsystems (Baues) neben frischen Erdauswürfen den Gang mit dem Suchstab aufspüren.

Die Vorbereitung und das Fallenstellen:

Wo der Suchstab leicht einbricht, wird der Gang mit dem Messer auf ca. 25 cm aufgeschnitten. Am ausgeschnittenen Bodenstück sieht man die Oberseite des Ganges mit deutlichen Nagespuren. Ist der Gang frei von Wurzeln und frisch, ist er bewohnt, hängen weiße Wurzeln in den Gang ist er unbewohnt, hängen braune Wurzeln in den Gang ist es meist ein Maulwurfgang.
Der Fanggang soll ca. 30 cm gerade verlaufen, d.h. es soll dicht vor der aufgestellten Falle keine Gangbiegung oder Abzweigung sein.

Das Aufstellen der bayrischen Drahtfalle.

Der Gang in Richtung zum Zentrum wird mit dem Messer so erweitert, dass die Falle gut hineinpaßt. Bei älteren Fallen sollte vor dem Aufstellen die Federspannung geprüft werden. Bei zu schwacher Spannung ist die Feder nachzuspannen oder die Falle zu ersetzen.
Die Falle erst grob stellen, dann durch leichtes Drehen des Abzuges äußerst fein einstellen (zu grob gestellte Fallen sind meist die Ursache des Mißerfolges), Falle mit dem Abzug nach unten in den Gang einschieben bis zur Gangverengung. Die Fangstelle offenlassen und kennzeichnen.

Das Aufstellen der Wolfschen Drahtfalle

Die Wolfsche Drahtfalle hat den Vorteil, daß die Feineinstellung des Abzuges entfällt, der Gang nicht erweitert werden muß und bei der Nachkontrolle an der Stellung der Federarme leicht zu erkennen ist ob die Falle schon fängig war. Nach Auffinden und Öffnen des Ganges den Gang nicht erweitern.
Auf den nach unten stehenden Abzugdraht der Falle ein Stück Löwenzahnwurzel, kleine Möhre oder ähnlichen Köder aufstecken. dann die Falle in ungespanntem Zustand in den Gang einschieben,bis zu den Federarmen. Nun die Falle spannen. Beim Spannen werden die Fangbügel seitlich in die Gangwände gedrückt. Die Maus sieht nur den Abzugdraht mit dem Köder, greift mit den Zähnen danach und wird getötet. Die Falle hinten unter den Spannarmen mit Erde etwas unterbauen, dass der Abzugstift frei beweglich ist und nicht im Boden arretiert ist.
Unbedingt den Gang offen lassen. Mit einer Rute oder sonstigen Zeichen, die Fangstelle markieren. Die Wühlmaus merkt in ihrem geschlossenen Gangsystem jede Öffnung sehr schnell und ist bestrebt, sie möglichst bald zu schließen. Oft schon nach kurzer Zeit kommt sie, kontrolliert die Gangöffnung, findet als Hindernis den Fallenabzug, nimmt ihn zwischen die Nagezähne und will ihn beseitigen. Dabei löst sie den Abzug, die Falle schlägt ihr das Genick ab und tötet sie damit kurz und schmerzlos.
Ist bei der Nachkontrolle die Falle mit Boden verstopft, wurde beim Aufstellen irgend ein Fehler begangen. Bei kühlem Wetter kann man nach ca. 1 Stunde bzw. nach dem Stellen von ca. 10 - 15 Fallen erstmals nachkontrollieren. Wühlmausbauten mit offenen Gängen sind entweder unbewohnt oder von Feldmäusen bewohnt. Der Maulwurf ist nützlich er ist nach dem Landesartenschutz ganzjährig geschont, er darf nicht gefangen und getötet werden.
Die derzeitige wirtschaftliche Lage der Obstbaubetriebe ist geprägt von hohen Produktionskosten und niederen Preisen. Sie zwingen den Obstbauern bei den Produktionskosten einzusparen wo es möglich ist. Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen auch in der Wühlmausbekämpfung im integrierten Obstanbau einen billigen, bewährten und wirkungsvolle Weg gezeigt zu haben. Es geht auch ohne teure Maschinen, Giften und Ködern mit zweifelhaftem schwierig kontrollierbarem Erfolg.


            Unterscheidungsmerkmale Wühlmaus- und Maulwurfsbau
Wühlmaus
Maulwurf
ErdhaufenFlach unregelmäßig, meist mit Gras oder Wurzeln überzogen. Von der Seite angeschoben 2-3 große Haufen, mehrere kleine Haufen.Gang seitlichHoch und rundlich, von der Mitte aus vulkanartig aufgeworfen.Viele ziemlich gleich-große Haufen in regelmäßigen Abständen. Gang in der Mitte.
GangformHochoval,groß (3 Finger hoch)Queroval, klein (2 Fingerbreit)
GangwandGenagt, man sieht die Abdrücke der NagezähneGekratzt, mit den Vorderfüßen (Schaufeln)
WurzelnKeine. Werden laufend abgenagt.Braune Wurzeln hängen unbeschädigt in die Gänge.
GangsystemZiemlich gerade verlaufend, dicht unter der Grasnarbe liegende Gänge.
3-5 Vorratskammern. Ein bis ca 1.5m tiefer Fluchtgang in Nestnähe
Ungeordnetes, stark gewundenes in verschiedenen Tiefen verlaufendes Gangsystem, ohne Vorratskammern. Mehrere steil nach unten gehende Fluchtgänge.
Bevorzugte StandorteWiesen, Weiden Obstanlagen auch am Wasser mit hohem
Gras und Gestrüpp.
Feuchte humose Böden, moorige Senken, Waldränder und an Zäunen entlang wo wenig gefahren wird.
Reaktion bei Öffnen des Ganges Sehr bald, sie kontrolliert die Öffnung und schiebt sie zu, umgräbt die Stelle dann seitlich.
Keine offenen Gänge
Langsam, erst nach Stunden oderTagen, schiebt den Gang zu und
untergräbt die Stelle.
Keine offenen Gänge





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