Der Garten im Klimawandel

Die Sommer werden immer heißer und trockener, die Winter bleiben weitestgehend mild. Wasser wird zunehmend knapper (oder zu viel). Neue Krankheiten breiten sich aus, Schädlinge oder anderes Ungeziefer werden immer lästiger.
Klimaexperten prognostizieren was auf uns zukommt. Unter diesem Aspekt gilt es im eigenen Garten klug und vorausschauend zu planen, denn der Wandel birgt Chancen für den Gärtner.

Die milden Winter und (sehr) heiße Sommer lieferten bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Hinweise, wie das Wetter künftig ausfallen könnte. Für viele Gärtner ist jedenfalls erfreulich, dass die Gartensaison im Frühjahr zeitiger beginnt und im Herbst länger dauert. Doch mit dem Klimawandel sind auch neue Herausforderungen für den Garten vorhanden. Pflanzen, die kühleres Klima lieben, werden mit langen Hitzeperioden Schwierigkeiten bekommen. An Hortensien werden wir vermutlich bald nur noch wenig Freude haben.

Die Freude am Garten bleibt erhalten, wenn auf diese Veränderungen klug reagiert wird, denn der Klimawandel verschiebt die Vegetationsphasen der Pflanzen.

Die nachfolgende Aufstellung liefert dazu Anhaltspunkte. Sie kann (und muss) durch eigene Erfahrungen ergänzt werden. Dabei ist das Kleinklima im Garten zu berücksichtigen.

  • Beete mit Gemüsekulturen oder Gründüngung können bis weit in den Winter hinein genutzt werden. Verbraucht wird der aus Humus oder aus Wurzelresten freigesetzte Stickstoff.
  • Bis zum Umgraben soll möglichst wenig Bearbeitung erfolgen.
  • Der typische Herbst dauert länger, manchmal beginnt der Winter erst im neuen Jahr.
  • Typische Herbstkulturen werden nicht mehr für die Ernte Anfang Oktober, sondern oft erst zur Ernte im November geplant.
  • Im Hoch- und Spätsommer können nochmals Blatt-, Kohl- und Wurzelgemüse bis zum Jahresende geplant werden. Dazu gehören Herbstsalate wie Radicchio oder der Zuckerhut. Sogar Chinakohl und auch Rettich können noch angebaut werden.
  • Bei kalter Witterung im Oktober oder im November hilft ein Gartenvlies um einzelne Frostschäden zu vermeiden. Tomaten oder Zucchini lassen sich mit Vlies jedoch meist unzureichend schützen.

Allgemeine Hinweise:
  • Ein strukturreicher Garten verdunstet weniger Wasser. Die Pflanzen schützen sich gegenseitig vor Austrocknung. Der Garten sollte generell möglichst variantenreich bepflanzt werden. So können Gehölze oder größere Stauden als Schattenspender für kleinere Gewächse dienen.
  • Die Pflanzen nach dem Standort anpassen. Dadurch wird der Pflege- und Bewässerungsaufwand reduziert.
  • Auf insektenfreundliche Stauden achten. Besonders mit Wildstauden kann man die Gartenanlage aufbessern, da sie sehr vital sind.
  • Sofern möglich: Anfallendes Regenwasser sammeln und als Gießwasser verwenden.
  • Staudenbeete oder -flächen dicht bepflanzen, so dass der Boden durch die Blätter vor Verdunstung geschützt wird. Einmal eingewachsen brauchen Stauden wenig Wasser.
  • Vor Verdunstung im Gemüsebeet schützt Mulch mit Grünschnitt.
  • Mulchen im Frühjahr bei noch kaltem Boden bremst den sommerlichen Temperaturanstieg im Boden.
  • Durch die längere Vegetationsperiode und die intensivere Bodennutzung steigt der Bedarf an Nährstoffen und Wasser. Grüneinsaaten wie Buchweizen oder Bienenfreund (Phacelia) verbessern die Bodenstruktur. Arbeitet man die Pflanzen in die Erde ein, erhöht man den Humusanteil im Boden.
  • Gießen sollte richtig erfolgen: Weniger ist mehr. Dies bedeutet, nicht täglich Wassergaben sondern durchdringend in größeren Abständen etwa alle drei bis vier Tage. Die Pflanzen gewöhnen sich daran, mit geringeren Wassermengen auszukommen.
  • Bei lehmigem Boden oder einem Garten in Grundwassernähe hilft es, die Beete als Hügelbeete anzulegen, damit das Wasser besser ablaufen kann.
  • Eine Wiese ist robuster als ein Rasen und muss kaum gewässert werden.
  • Im Obstbereich spät blühende Sorten und Arten bevorzugen. Die Früchte reifen besser aus.
  • Bäume reagieren meist um ein bis zwei Vegetationsperioden verzögert auf extreme Ereignisse. Ist der Boden zu trocken, sterben viele Feinwurzeln ab. Das beeinträchtigt den Baum in seiner Vitalität und seinem Wachstum. Betroffen sind vor allem flachwurzelnde Gehölze. Dies ist bei der Pflanzung zu berücksichtigen.
  • Generell sind Arten zu empfehlen, die eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit, Starkniederschlägen und hohen Temperaturen zeigen.Bäume mit Zukunft sind u. a. der Erdbeerbaum (arbutus unedo -siehe Foto-), der Ginkgo (Ginkgo biloba) und Wacholder (Juniperus). Sie gelten als robuste Arten, die auch mit heißen, trockenen Sommern aber auch regenreichen Perioden gut zurechtkommen. Feigen eignen sich künftig auch in kälteren Regionen (z. B. Norddeutschland oder Harz).
  • Pflanzenarten wählen, die mit Hitzestress besser zurecht kommen.
  • Durch ausbleibende starke Fröste im Winter werden auch die bekannten Schädlinge weniger dezimiert. Früher und heftiger Blattlausbefall sind die Folge. Eine rechtzeitige Bekämpfung ist angesagt.
  • Stauden der nordamerikanischen Prärie sind für trockene Standorte bestens geeignet. Sie besitzen eine große Anpassungsfähigkeit. Da sie meist sehr tief wurzeln können sie selbst nach anhaltender Trockenheit das Wasser noch aus tiefen Bodenschichten ziehen.
  • Hinweise:
    Copyright, Kontakt und weitere Informationen:

    - Klaus Rettig, Kleinfeldstr. 11, 67435 Neustadt an der Weinstraße
    - E-Mail: vorhanden
    - Tel.-Nr. 06327/4402
    Foto: Klaus Rettig





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