2001 / 02 - Vermeidung nichtparasitärer Beeinträchtigungen bei Alleebäumen

Allgemein:
Unter nichtparasitären Schäden sind bei Alleebäumen die Probleme zu verstehen, die nicht durch Krankheiten oder Schädlinge hervorgerufen werden und allein auf den Standort, die damit verbundenen Wachstumsfaktoren wie Boden, Licht, Nährstoff- oder Wasserversorgung oder ungenügende Pflege, zurückzuführen sind. Allerdings besteht ein Zusammenhang zwischen nichtparasitären Schäden und dem Auftreten von Krankheiten und Schädlingen insofern, dass durch ungünstige Standortfaktoren oder schlechte Pflege geschwächte Bäume auch besonders krankheitsanfällig sind.

Belichtung:
Alleebäume bedürfen genügend weiter Pflanzabstände, um in einen ausreichenden Lichtgenuss zu kommen. Wird das bei Alleebäumen sehr hohe Lichtbedürfnis etwa bei zu engem Stand nicht befriedigt, entstehen untypisch schiefe Baumformen mit Bruchrisiko und einer unnatürlichen Kronenausbildung. Durch die umweltbedingten Veränderungen der Strahlungsverhältnisse kann es jedoch auch bei voller Belichtung bei Blättern und Früchten zu Verbrennungen kommen. Besonders aufgefallen sind in den letzten Jahren aufgeplatzte Rindenbereiche an der Südwestseite von Ahorn- und Lindenjungbäumen, die in
den Wintermonaten durch hohe Temperatur- und Strahlungsunterschiede entstehen. Diese Schäden lassen sich durch Umwickeln des Stammbereiches mit Rohr- oder Schilfmatten verhindern.

Nachbauprobleme:
Bei artgleichem Nachpflanzen, insbesondere in schon bestehenden Alleen können Wachstumsdepressionen in der Form von Kümmerwuchs entstehen, die sich durch Kompostbeimischungen (10 bis 15 Liter pro Pflanzgrube) oder entsprechenden Bodenaustausch vermindern lassen.

Beeinträchtigungen der Wuchskraft des Bodens:
  1. Streusalz: Diese Schäden lassen sich nur sehr schwer rückgängig machen. Starkes Wässern zur Erzielung eines Auswaschungseffektes oder Beimischung von Kompost zur anderweitigen Festlegung der Salzbestandteile bringen Teilerfolge.

    Bodenverunreinigungen: Sind die Böden etwa mit Bauschutt verunreinigt, so können insbesondere bei Trockenheit Verbrennungsschäden entstehen, da diese Verunreinigungen Wasser an
  2. ziehen und dadurch mit den Pflanzenwurzeln konkurrieren.
  3. Nährstoffe: Zur Vermeidung von Mangelsymptomen und wechselseitiger Festlegung von Nährstoffen ist bei Böden des urbanen Bereiches eine Nährstoffanalyse besonders wichtig.

Feuchtigkeit:
Die Wasserversorgung muss in einem Optimalbereich erfolgen. Trockenheit schadet genau so wie Staunässe. Das Kurzhalten von Unkräutern, die besonders in der Anwachsphase um Wasser und Nährstoffe konkurrieren, muss gewährleistet sein.

Pflanzflächen:
Insbesondere Großgehölze benötigen einen genügend großen durchwurzelbaren und daher mit einem ausreichend großen Porenvolumen versehenen Bodenbereich. Wurzelanschluss an den gewachsenen Boden ist von sehr großem Vorteil. Der Pflanzung, Pflanzvorbereitung, Bodenlockerung und Vorbereitung einer Pflanzgrube sehr viel größer als der Wurzelkörper muss erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bodenabdeckung mit organischer Substanz sollte durchgeführt werden. Außerdem muss eine nachträgliche Bodenverdichtung der Baumscheibe durch Begehen oder durch parkende Autos verhindert werden.

Pflanzmaterial:
Die zu pflanzenden Bäume sollten einen gut verzweigten Wurzelkörper mit einem hohen Faserwurzelanteil und bei Alleebäumen eine naturgemäße Kronenerziehung mit einem dominierenden Mitteltrieb aufweisen.

Wachstumsverlauf:
Ein zügiges und gesundes Wachstum ist durch einen ausreichenden jährlichen Zuwachs gekennzeichnet. Kümmernde Bäume treten durch übermäßiges Blühen und Fruchten früher in die generative Phase ein. Durch geeignete Schnittmaßnahmen kann die Wachstumsentwicklung korrigiert werden. Besonders wichtig ist die Vermeidung der Zwieselbildung. Dies kann erfolgreich nur im Jugendstadium durchgeführt werden. Zwieselbildung führt zu Instabilitäten bei Bäumen und führt zum Risiko des Ausschlitzens von Hauptästen. Derartig verunstaltete Bäume sind in der Regel nicht mehr lebensfähig. Schnittmaßnahmen sollten nach Möglichkeit im Spätsommer durchgeführt werden. Auf die Erhaltung eines naturgemäßen Habitus der Bäume muss geachtet werden.

Befall mit holzzerstörenden Pilzen: Verletzte Wurzelanläufe sind bevorzugte Eintrittspforten für holzzerstörende Pilze, deren Wirkung durch schlechtes Abtrocknen der Stammbasis verstärkt wird. Für entsprechenden Schutz der Stammbasis muss daher gesorgt werden. Dies gilt insbesondere bei baulichen Maßnahmen.

Zielsetzung:
Auch im urbanen Bereich muss die Erhaltung eines vitalen Baumwachstums angestrebt werden. Bäume mit diesem Wuchscharakter tolerieren auch einen gewissen Befall mit Krankheiten und Schädlingen.


Download: GrBl2001_02.pdf



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